Abi-Festival probt Wasserstoffnutzung und erhält Auszeichnung

Grüner Wasserstoff bringt Lautfeuer Preis ein

Festival-Macher in Lingen werden für Innovationen ausgezeichnet und haben Redebedarf mit der Stadt Hamburg

Ein Bericht von Jessica Lehbrink in der Lingener Tagespost


Das Lautfeuer-Festival, früher bekannt als Abifestival, zog nach der Corona-Zwangspause im Jahr 2022 rund 11500 Besucher an. „Umsonst und draußen“ ist heute wie früher das Motto und entscheidend für Ines Fischer, Vorsitzende des Vereins Abifestival seit 1981, der die Organisation übernimmt. Die Kultur überregional fördern und Zugang zu ihr ermöglichen sei ein Anspruch, den die Festivalmacher an sich selbst stellen, erklärt sie.
Innovationspreis bei „Future of Festivals“ 2022 gab es darüber hinaus einige Neuheiten: Die Festivalbändchen konnten mit Guthaben aufgeladen werden und dienten so als Zahlungsmittel. Es gab einen Modeverleih sowie Merchandise-Produkte aus Recycling-Material.
Eine Besonderheit darüber hinaus: Erstmals wurde die Energieversorgung des Festivals teilweise mit grünem Wasserstoff als nachhaltiger Lösung sichergestellt. Sprich: Wasserstoff, der durch erneuerbare Energien gewonnen wurde, statt viel Diesel, der in Generatoren verbrannt wird.

Video Archiv Bernd Robben

Mit dem Lautfeuer-Festival 2022 waren die Organisatoren zufrieden und bekamen sogar einen Innovationspreis, weil sie auf grünen Wasserstoff setzten. Doch in diesem Zusammenhang wartet man in Lingen weiterhin auf eine Rückmeldung der Stadt Hamburg.


Dies brachte den ehrenamtlichen Organisatoren und dem Festival bundesweite Aufmerksamkeit. Damit habe man bewiesen, dass ein Festival auch mit alternativen Energiequellen versorgt werden kann „und somit auch perspektivisch eine CO2 -freie Stromerzeugung für Festivals möglich ist“, meint Vorstandsmitglied Erik Mersmann. Dies sei vor allem aufgrund einer guten Zusammenarbeit mit der H2-Region Emsland sowie der Unterstützung der Politik vor Ort ermöglicht worden.
Honoriert wurde es auch: Beim Branchentreffen „Future of Festivals“ in Berlin präsentierten die Lingener am Wochenende anderen Festivalmachern – unter anderem vom Deichbrand oder Wacken – die Verwendung von Wasserstoff in Lingen. Prompt gab es einen Preis für Innovation, den der Vereinsvorstand als Bestätigung ehrenamtlicher Arbeit interpretiert. Doch vielmehr gehe es um ein gemeinsames Wirken für eine nachhaltigere Zukunft und weniger darum, sich als Festival zu profilieren, sind sich die Lingener Organisatoren einig. Doch: Diese Erkenntnis wünscht sich der Verein Abifestival seit 1981 auch von der Stadt Hamburg.
Das „Futur 2 Festival“ dort, das rund einen Monat nach dem Lautfeuer stattfand, war medienwirksam damit beworben, das „weltweit erste Festival mit einer deckenden Versorgung von grünem Wasserstoff“ zu sein. Allerdings: Schon einige andere Festivals in Europa seien da Vorreiter gewesen, erklärt Mersmann. Nicht ohne Grund habe man für das Lautfeuer auf solche Einordnungen in Bezug auf die Wasserstoff-Nutzung verzichtet.
Nach eigenen Aussagen der Hamburger Veranstalter wird der größte Teil des Stroms für das „Futur 2 Festival“ aus Solarkraft und nicht aus grünem Wasserstoff gewonnen. Dies habe die Stadt Hamburg im Vorfeld falsch kommuniziert. Der Abifestival-Verein bat die Stadt Hamburg um eine Klarstellung – eine Rückmeldung gebe es jedoch nicht.
„Es geht hier nicht um Konkurrenz, sondern eher um Zusammenarbeit“, betont Vereinsvorsitzende Ines Fischer. „Das ehrenamtliche Stemmen eines Festivals wird zunehmend herausfordernder, Sponsoren werden immer wichtiger. Die Falschaussage beeinflusst auch diesen Punkt, und das finden wir gegenüber Menschen, die ehrenamtlich so viel Herzblut in die Kultur und ihre Weiterentwicklung stecken, sowie gegenüber unseren Partnern nicht wertschätzend.“
Weiter in die Zukunft denken Mit dem Rückenwind durch den Innovationspreis und dem weiteren Rückhalt der Stadt Lingen stellt sich das Lautfeuer-Team den Herausforderungen der Organisation 2023. „Wir werden weiterhin an unserer Ausrichtung durch den Einsatz von Wasserstoff festhalten und laden alle Interessierten ein, sich das Konzept vor Ort live anzuschauen“, betont Mersmann