Bürger können sich für Heizen mit regenerativen Energien registrieren
Ein Beitrag von Wilfried Roggendorf am 30. 09. 2024 in der Lingener Tagespost
Seit 2010 gibt es in Salzbergen ein Nahwärmenetz im Ortskern. Daran waren zunächst überwiegend Gebäude der Gemeinde angeschlossen. Seit 2021 profitieren auch einige Mehrfamilienhäuser von der Nahwärme. „Insgesamt sind rund 50 Gebäude angeschlossen“, sagt der Betreiber, Landwirt Karl Hövels. Jetzt plant er gemeinsam mit seinen Berufskollegen Tobias Venbert und Jörg Beckonert eine deutliche Erweiterung.
Die drei haben die Nahwärme Salzbergen GmbH & Co. KG (NWS) gegründet. Als Projektberater haben sie Andreas Rasche ins Boot geholt. Dessen Firma betreibt unter anderem ein eigenes Nahwärmenetz in Alfhausen. Rasche setzt in Salzbergen nicht nur auf das Biogas der drei Landwirte.
„Es gibt viele Wege, warmes Wasser zu produzieren“, sagt der Projektberater. Die Sektoren Strom, Gas und Wärme müssten zusammen gedacht werden. Wind und Sonne könnten unter optimalen Bedingungen Strom billiger als die Blockheizkraftwerke der Biogasanlagen erzeugen. Und es würde mehr Solar- und Windstrom produziert, als benötigt wird. „Diese billigen Stromüberschüsse können wir dann nutzen“, erklärt Rasche. In diesen Phasen könne das Biogas gespeichert werden.
Nahwärme durch Energiemix preisstabil: „Die Biogasanlagen produzieren Strom und Wärme erst dann, wenn es sinnvoll ist“, sagt Rasche. Die Blockheizkraftwerke der Biogasanlagen ständig im Grundbetrieb laufen zu lassen, sei nicht sinnvoll. „Biogas kann gespeichert werden und ist daher im Gegensatz zu Wind und Sonne steuerbar“, erklärt der Projektplaner den Sinn des Energiemix, der in Salzbergen zum Einsatz kommen soll. Rasche sieht einen weiteren Vorteil: „Wärme kann durch diesen Energiemix langfristig preisstabil produziert werden.“
Doch wer kann in Salzbergen an das geplante Nahwärmenetz angeschlossen werden? Und was wird die Wärme kosten, die die bisherige Heizung im Haus überflüssig macht? Beide Fragen können weder der Projektplaner noch die an NWS beteiligten Landwirte derzeit beantworten. „Je mehr Leute mitmachen, umso billiger wird es für alle“, sagt Rasche.
Unverbindliche Registrierung online möglich: Bürgermeister Andreas Kaiser geht davon aus, dass Nahwärme in verdichteten Gebieten der Gemeinde wirtschaftlich darstellbar ist. „Aber auch Holsten-Bexten wäre denkbar, wenn es dort genügend Interesse gibt“, fügt Hövels hinzu. Deshalb werde die NWS zunächst das Interesse an einem Nahwärmeanschluss erkunden. Auf deren Internetseite nahwaerme-salzbergen.de ist eine unverbindliche Registrierung möglich. Im zweiten Quartal 2025 erwarten Kaiser und Rasche belastbare Aussagen.
Bislang ungenutzte Abwärme der Industrie: Der Gemeinderat hat laut Kaiser einstimmig beschlossen, dass die Verwaltung das Nahwärmekonzept für Salzbergen gemeinsam mit der NWS prüfen soll. Einen Blick möchte Kaiser dabei auch auf die Möglichkeit werfen, bislang ungenutzte Abwärme der Salzbergener Industriebetriebe in das Konzept einfließen zu lassen.
Eine Sorge brauchen sich die Salzbergener nicht zu machen. Die Straßen, in denen die Ortskernsanierung schon abgeschlossen ist, müssen für ein Nahwärmenetz nicht erneut aufgerissen werden. „Dort liegen vorsorglich schon Leitungen“, sagt Kaiser.
Kommunale Wärmeplanung bis Ende 2028 erstellen: Bis Ende 2028 muss die Gemeinde Salzbergen eine kommunale Wärmeplanung erstellen. Kaiser hofft, dass das geplante Nahwärmenetz darin eine wesentliche Rolle spielen wird.
„Auch weil wir eine sehr motivierte Truppe haben, die das umsetzen möchte“, betont der Bürgermeister. Landwirt Hövels gibt sich ebenfalls zuversichtlich und sagt: „Schließlich haben wir in Salzbergen schon bewiesen, dass wir es können.“