Landwirte wollen Biogas aufbereiten

Projekt zur Netzeinspeisung in Dohren läuft in Kooperation mit EWE

Ein Beitrag von Daniel Gonzalez-Tepper in der NOZ/Meppener Tagespost

Dohren – In der Gemeinde Dohren soll im neuen Gewerbegebiet an der Wettruper Straße eine Anlage gebaut werden, die Biomethan (Biogas) aufbereitet, damit dieses ins öffentliche Gasnetz eingespeist werden kann. Am Ende werden mit dem Biogas, das aus Anlagen von heimischen Landwirten stammt, Heizungen in Wohnhäusern angetrieben.
Hinter dem Projekt steckt die 2023 gegründete ECO Farm Fuel GmbH, an der wiederum vornehmlich fünf Landwirte-Familien aus der benachbarten Samtgemeinde Lengerich beteiligt sind. Namentlich sind es die Familien Schlütke, Penniggers, Dagger und Teepker (alle Handrup) sowie Wilken-Keeve (Wettrup). Sie betreiben Biogasanlagen, die mit Rinder- oder Schweinegülle und nachwachsenden Rohstoffen wie zum Beispiel Mais gefüllt werden.

Nur aufbereitetes Biogas kann ins öffentliche Gasnetz eingespeist werden: Nach Angaben von Christian Schlütke, der als Mit-Gesellschafter und Geschäftsführer das Projekt auf der jüngsten Sitzung des Gemeinderates Dohren vorstellte, soll in der Anlage der Methangehalt von 50 bis 55 Prozent auf 96 bis 97 Prozent angereichert (konzentriert) werden. Nur dann sei er für die Heizungsanlagen nutzbar. Zudem werde das Biogas mehrfach gereinigt und geprüft, bevor es ins öffentliche Gasnetz der EWE eingespeist werde. Sollten die Parameter nicht stimmen, werde die Einspeisung sofort unterbrochen.
Vergleichbare Anlagen, die in jüngerer Vergangenheit gebaut worden sind, gibt es nach den Worten des 39 Jahre alten Landwirts in Geeste und Börger.

Förderung für Strom aus Biogasanlagen läuft nach 20 Jahren aus: Bisher wurde das Methan im Regelfall direkt an den Biogasanlagen verbrannt, um daraus Strom und Wärme zu erzeugen. Hintergrund der Idee, das Biogas aufzubereiten, um es ins Gasnetz einzuspeisen, ist das Auslaufen der staatlichen Förderung für viele Biogasanlagen ab Ende 2025. Laut Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) erhielten die Betreiber 20 Jahre lang eine Vergütung pro Kilowattstunde produziertem Strom von etwa 22 Cent. Sie sinkt auf rund acht Cent, was den Weiterbetrieb für viele unrentabel macht.
Mit-Initiator Christian Schlütke sagte auf Nachfrage der Redaktion, die Landwirte investierten rund 3,5 Millionen Euro. Hinzu kämen die Kosten für eine Leitung, die das Biogas von den Höfen in Handrup nach Dohren transportiert. Das etwa 30 Zentimeter dicke Rohr werde in etwa einem Meter Tiefe verlegt. Die Leitung ist nach Angaben des Geschäftsführers etwa zwölf Kilometer lang. Sie werde voraussichtlich etwa 1,5 Millionen Euro kosten.
Der genaue Trassenverlauf stehe noch nicht fest, die Projektbeteiligten bevorzugen einen Verlauf entlang der Straße Lieninghagen, weil dort der Seitenraum ideal geeignet sei. Entscheidungen stünden aber noch aus.

Betreiber haben auch Gespräche mit Westnetz geführt: An dem Projekt beteiligt ist die EWE, sie investiert als Gasnetzbetreiber in Anlagen für das Einspeisen des Gases ins örtliche Gasnetz. „Clusterlösung“ nennt EWE-Sprecher Volker Diebels eine solche Lösung, bei der die Betreiber mehrerer Biogasanlagen zusammenarbeiten und über eine zentrale Einspeiseanlage ins öffentliche Gasnetz einspeisen. „Diese Bündelung führt zu geringeren Investitionskosten, effizienteren Prozessen und schnelleren Genehmigungsverfahren“, erläutert Diebels. Dies werde helfen, vorhandene Anlagen wirtschaftlich weiterzubetreiben und nach Ablauf der EEG-Förderung eine Perspektive zu bieten.
Der Sprecher spricht von Investitionen in Höhe mehrerer Millionen Euro. Genaue Zahlen für das Projekt in Dohren nennt er nicht. Für EWE sei eine Beteiligung sinnvoll, weil Biomethan „ein zentraler Baustein für eine klimaneutrale Energieversorgung“ sei, insbesondere in der Übergangsphase. „Biomethan lässt sich flexibel einsetzen, speichern und transportieren“, erklärt der Sprecher. Es könne sowohl in industriellen Anwendungen als auch zur Rückverstromung oder zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors genutzt werden. „Vor allem aber stärkt es die regionale Wertschöpfung und macht Deutschland unabhängiger von Energieimporten“, betont Diebels.
Die Beteiligung von EWE ist auch der Grund, warum sich die Landwirte für einen Bau der Anlage in Dohren inklusive Leitungsbau entschieden haben. In der Samtgemeinde Lengerich betreibt nämlich Westnetz (früher RWE) das Gasnetz. Schlütke zufolge sind auch mit Westnetz Gespräche geführt worden, am Ende sei die Entscheidung aber für Dohren und EWE gefallen.

Gemeinderat stimmt für Verkauf des Gewerbegrundstücks: Der Gemeinderat nahm die Ausführungen wohlwollend zur Kenntnis. Für die kleine Kommune bedeutet die Ansiedlung zusätzliche Gewerbesteuer und zumindest einzelne Arbeitsplätze, zum Beispiel für Wartung. Gesteuert und überwacht wird die Anlage weitgehend aus der Ferne. Fragen beschäftigten sich unter anderem mit dem Verlauf der Leitung zwischen den Höfen und der Anlage im Dohrener Gewerbegebiet.
Die Ratsmitglieder beschlossen im anschließenden nichtöffentlichen Teil, eine etwa 6000 Quadratmeter große Gewerbefläche an die Projektgesellschaft zu verkaufen und das Projekt weiter wohlwollend zu begleiten. Das teilte Samtgemeindebürgermeisterin Martina Schümers (parteilos) auf Anfrage mit.